biotechnologie.de-Archiv 25. Oktober 2016

Synthetische Biologie: Kunstzelle aus natürlichen Proteinen gebaut

Forscher der Universität des Saarlandes haben mit finnischen Wissenschaftler aus natürlichen Proteinen künstliche Zellen gebaut. Diese Vesikel sind sowohl in wasser- also auch in ölhaltigen Ungebungen stabil und könnten sich somit als Medikamententransporter eignen. Die Studie ist im Fachjournal "Advanced Materials" erschienen. Eine ganz besondere Kugel bauten Physiker der Universität des Saarlandes zusammen mit Kollegen der finnischen Aalto Universität und des technischen Forschungszentrums Finnland. Die Doppelmembran der künstlichen Zelle setzt sich auch natürlich vorkommenden Proteinen zusammen – weltweit bislang einzigartig. Das Vesikel ist außerdem in wasserlöslichen Umgebungen genauso stabil wie in öllöslichen. „Diese Eigenschaften machen sie zum idealen Ausgangspunkt, um weitere Anwendungen zu erforschen, zum Beispiel für den Transport von Wirkstoffen im Körper“, so die Universität. Stabile Doppellagen in beide Richtungen Ursprünglich hatten die Physiker etwas anderes im Sinn: Sie wollten die Eigenschaften von Hydrophobinen erforschen, spezielle Proteine die wasserabweisende Oberflächen bilden. Normalerweise heften sich Proteine entweder mit ihrer wasserliebenden, der hydrophilen Seite, an ein wässriges Medium an, oder mit ihrer hydrophoben Seite an einem öligen Medium. Doch das nun entdeckte Protein bildet in beiden Umgebungen stabile Doppellagen. Mehr zum Thema: News: MaxSynBio: Forscher wollen lebende Mini-Zellen bauen News: Forschungspreis: Millionenförderung für Zellingenieur News: Synthetische Biologie: Künstliche Zelle, die sich bewegt Unerwartete Entdeckung Von dieser Erkenntnis angetrieben, wollten die Forscher danach herausfinden, ob sich diese stabile Doppellage einer Transportzelle formen lässt. Sie „bliesen“ die Doppelmembran mit Flüssigkeit auf, und es funktionierte tatsächlich: Die zellartige Kugel mit der Doppelmembran aus natürlichen Proteinen blieb stabil. Das hätte vor ihnen noch niemand geschafft, freuten sich die Wissenschaftler. Künstlich herstellbar waren bisher nur einlagige Membranen oder Vesikel aus speziell synthetisierten Makromolekülen. „Die Entdeckung dieser Vesikel ist prototypisch für das Wesen der Grundlagenforschung. Anders ausgedrückt: Hätte uns am Anfang jemand gesagt: Macht diese Dinger aus einer natürlichen Doppelmembran, hätten wir das vermutlich nicht hinbekommen“, resümiert Karin Jacobs.